Klez.e

16.03.2024Chemnitz: aaltra

11,00 

Vorrätig

Beschreibung

16.03.2024 | aaltra, Hohe Str. 33, 09112 Chemnitz

Einlass: 20 Uhr | Beginn: 21 Uhr

Nach sieben Jahren veröffentlichen Klez.e am 23. Februar 2024 ihr fünftes Album „Erregung“. 

Sagt Jan Müller: „Klez.e sind zurück! Im Jahr 2016 überraschten sie mit „Desintegration“. Das war eine Überdosis The Cure, die ganz toll war. Nun sind sie mit ihrem neuen Album ‚Erregung‘ wieder bei sich selbst angekommen. Der autobiographische Titeltrack ist ein bewegendes Zeugnis davon, wie Außenseitertum Menschen wie uns in die Liebe zur Musik treibt. In “Tortur” singt Tobias Siebert: ‚Wir sind wie die Welt nicht mehr zu retten / Meine Lippen auf Deinen‘. Der Blick von Klez.e auf die Welt ist romantisch, tieftraurig und politisch. In der Musik liegt Schmerz, aber auch Wut auf die Umstände, in denen wir gefangen sind. Ich empfehle euch, tief in ihren Songs zu versinken!“

Anders gesagt, in stürmischen Zeiten braucht man manchmal irgendwen oder irgendwas zum Anlehnen. Zum Beispiel einen Sound, der einem vertraut ist. Aus der Kindheit oder Jugend. Der aber so zeitgemäß ist, dass nichts Verstaubtes an ihm haftet. In stürmischen Zeiten braucht man manchmal was zum Nachdenken, das über die Frage hinausgeht, wo man den nächsten Kaffee 

trinken, das nächste Konzert erleben oder den anstehenden Urlaub verbringen möchte. Für die, die sich noch länger als eine digitale Story lang konzentrieren können, bieten sich Bücher an. Für die, die gut zuhören können, auch Songtexte. Und die dürfen gerne das aktuelle Geschehen aufgreifen. Aber sie müssen einem nicht zwingend mit belehrendem Zeigefinger kommen, für den sich irgendwer eventuell nicht mal vom eigenen Schreibtisch oder Sofa wegbewegt hat, um der Welt da draußen zu erklären, was zu tun ist und was zu lassen, sobald irgendetwas passiert. Und es passiert ja immer irgendetwas, und deswegen kommt das neue Album der Band Klez.e genau richtig. 

Sänger und Gitarrist Tobias Siebert und seine beiden Bandkollegen Daniel Moheit und Filip Pampuch haben mehr als einmal alte Alben von The Cure gehört, das wurde schon beim Vorgängeralbum „Desintegration“ deutlich.

Und wenn es der Meister, Robert Smith, nicht hinbekommt, dann bringen eben legitime Erben die Musik zu den Menschen. Während viele andere Bands, die aktuell New Wave oder Post Punk spielen, gut aber bemüht klingen, wirkt die Musik bei Klez.e leichtfüßig gespielt und dennoch mit enormer Dringlichkeit aufgeladen. Sie klingt mächtig und selbstbewusst, dabei wärmend und umarmend – und sie erscheint nun auf einem neuen Album, das den ambivalenten Titel „Erregung“ trägt. 

Es gibt nicht den einen Zustand der Erregung. Er kann positiv oder negativ aufgeladen sein, zwischen Liebe und Wut pendeln. Er ist nie gesetzt und stets darin begriffen, in sein Gegenteil zu kippen. Und genau so fühlt es sich an, wenn man „Erregung“ von Klez.e hört. Eine Platte, die textlich und musikalisch Fragen aufwirft und Diskursräume öffnet, in die wir eintreten können. Mit uns selbst oder bestenfalls mit anderen. Diskutieren, Meinungen austauschen, sich aneinander reiben, Unterschiedlichkeit aushalten. Dieses Album könnte ein Auslöser für all das sein. 

Aber noch einmal von vorne: Die Anfänge von „Erregung“ liegen in präpandemischen Zeiten, in denen noch niemand einen Lockdown erlebt hat, das Sozial- und Nachtleben noch nicht stillsteht. Klez.e gehen zweimal auf Tournee und im Anschluss euphorisiert direkt in den Proberaum zurück. Um die 50 Demos entstehen. Der Studiotermin steht, doch dann kommt die Zwangspause. 

Tobias Siebert, der nicht nur durch seine Bands Klez.e und And The Golden Choir in der Indiewelt bekannt ist, sondern sich auch durch seine Arbeiten 

als gefragter Produzent von zahlreichen Musiker*innen einen Namen gemacht hat, zieht in dieser Zeit von Berlin, wo er im Osten der Stadt geboren wurde und mehrere Jahrzehnte gelebt hat, nach Mecklenburg-Vorpommern. Aufs Land. In ein Bundesland, über das sehr auch viele eine eindeutige Meinung haben, die dort noch nie gewesen sind. 

Siebert und seine Partnerin kaufen einen alten Hof mit mehreren renovierungsbedürftigen Gebäuden, eine Einsiedelei östlich von Pasewalk, rund herum Wald und Wiesen. Im Laufe der nächsten drei Jahre entstehen dort in Eigenarbeit Wohn- und Arbeitsräume, auch sein Tonstudio zieht um. Statt im tiefsten Berlin an der Spree Bands aufzunehmen, bietet Siebert nun auf dem Land Raum für andere Musikschaffende, sich zu verwirklichen. Schnell entsteht Kontakt zu den Einheimischen, er wird Mitglied im Tischtennisverein. Seine Frau und er laden auf dem Hof alle paar Wochen in eine Art Pop-Up-Café zum Eierkuchensonntag, zu Konzerten oder Festen. Man ist neugierig aufeinander. Die beiden Großstädter*innen, nun zwei von 580 Einwohnern ihrer Gemeinde, holen Kultur in eine Ecke Deutschlands, wo sie nahezu verschwunden schien. 

Als Siebert schließlich mit Klez.e zurück ins Studio geht, ist Corona nicht mehr Nachrichtenthema Nummer 1. Ein weiterer Krieg dominiert die Schlagzeilen. Umweltkatastrophen sind immer aktuell, es gibt genügend Sorgen und Ängste weltweit. Tobias Siebert greift einige auf, seine Texte aber wirken nicht wie ein selbstgewisser Monolog, der keinen Widerspruch duldet. Vielleicht ist „Vielleicht“ das treffendste Wort, um in dieses Album einzuladen. So heißt es gleich in der ersten Zeile des titelgebenden ersten Stücks: „Vielleicht weiß ich jetzt, wo das hier hinführt.“ 

Siebert vermischt Politisches und Privates, Vergangenheit und Gegenwart, und er spart nicht mit Zeit und Worten: Sieben Minuten dauert allein dieses Stück, sieben Minuten, in denen wir erinnert werden, wie sich Schreihälse auf dem Schulhof anfühlen oder der Faustschlag beim Völkerball. Sieben Minuten, in denen wir Gefühle erkennen, die aktuell wie nie wirken: „Ich kann die Angst nicht mehr ertragen und den Spinnenwebensud, doch die Kanonen wollen donnern und die donnern ziemlich gut“. Was bleibt ist der Wunsch, den eigenen Verstand und die eigenen Freunde zu behalten, „während Worte und Worte und Worte wie Faustschläge alles spalten“.

Man könnte sich kein besseres Entree in dieses Album wünschen, ein Album, das in der Aggregation 

präziser Beobachtungen und lyrisch überhöhter Erinnerungen, zwischen Wut, Angst und Hoffnung – und in seiner vorsichtig tastenden und fragenden Haltung– im besten Sinne eine Gemeinschaft zu stiften imstande ist, wie es nur selten vorkommt. Es hält einen als Gesamtwerk körperlich und gedanklich in Bewegung. Wenn Musik das schafft, ist schon viel gewonnen. 

Christiane Falk 

(E-Ticket Veranstaltung: Nach Kauf und Zahlungseingang wird das E-Ticket als Download bereitgestellt)

 

 

Zusätzliche Information

Spielstätte

aaltra

Stadt

Chemnitz

E-Ticket-Veranstaltung

Klez.e (1333)